Jan 23

Effektive Therapien

Wer Migräne hört, denkt immer noch gerne an Damen aus feiner Gesellschaft, die sich mit leidendem Gesichtsausdruck an die Schläfe fassen und sich in ihre Gemächer ziehen, um den ehelichen Pflichten zu entgehen. Jenseits dieser antiquierten Vorstellung gibt es Fakten: In Deutschland wird die Zahl der Migräne-Patienten auf ungefähr 8 Millionen geschätzt. Bei Frauen ist die Migräne mit 12 – 14% deutlich häufiger als bei Männern mit 6 – 8%. In der Vorphase spüren manche Patienten Heißhunger auf Süßigkeiten oder fette Nahrungsmittel, später können Lichtblitze, Zickzacklinien, Flimmern vor den Augen folgen (genannt Aura, tritt allerdings nicht bei allen Patienten auf).

Letztendlich treten die typischen Kopfschmerzen auf, häufig in Verbindung mit Übelkeit, Erbrechen, Lärm-, Geruchs- und Lichtempfindlichkeit. Vielen bleibt dann nur noch die Flucht in ein abgedunkeltes Zimmer.

Bei Migräne einen Arzt aufsuchen
Schwere und auch häufige Migräneattacken bedeuten für den Betroffenen nicht nur eine starke Einschränkung seines Privatlebens, sondern bedingen auch häufig einen Ausfall am Arbeitsplatz. Hochrechnungen gehen davon aus, dass in Deutschland pro Jahr mehr als eine Million Arbeitstage durch Migräneattacken verloren gehen. Die Krankheitskosten der Migräne insgesamt werden in Deutschland pro Jahr auf ca. 4,3 Mrd. Euro geschätzt. Nur etwa die Hälfte der 8 Millionen Migräne-Patienten sucht einen Arzt auf, viele Patienten behandeln sich selbst, z.B. mit freiverkäuflichen Schmerzmitteln. Dabei kann den Patienten mittlerweile vom Arzt gut geholfen werden, wenn die Migräne frühzeitig erkannt und adäquat behandelt wird, ganz zu schweigen von der daraus resultierenden Senkung der Krankheitskosten.

Migränemittel können gezielt helfen
In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche neue Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Migräne gewonnen. Man geht davon aus, dass es bei der Migräne zu einer Erweiterung der Gefäße der Hirnhaut und einer Ausschüttung von Nervenbotenstoffen kommt. Es entwickelt sich eine bestimmte Art von Entzündung – die Migräneattacke beginnt.
Genau hier greifen die Triptane an: das sind spezifische Migränemedikamente. Sie führen zu einer Verengung der während der Migräneattacke erweiterten Blutgefäße im Bereich der harten Hirnhaut. Sie hemmen die Freisetzung bestimmter Nervenbotenstoffe (vasoaktiver Neuropeptide). Und sie hemmen die Weiterleitung von Schmerzsignalen aus der Hirnhaut. Die Triptane unterdrücken den Kopfschmerz und lindern auch die Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit.
Sieben verschiedene Wirkstoffe von den Triptanen (Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolimitriptan) stehen zur Zeit zur Verfügung. Obwohl sie alle in eine Wirkstoffgruppe gehören, gibt es Wirksamkeits- und Verträglichkeitsunterschiede.

Mehr Schmerzfreiheit im Alltag
Welcher Wirkstoff für den einzelnen Patienten besonders geeignet ist, muss der Arzt entscheiden. Neben einem schnellen Wirkeintritt ist für den Patienten auch eine andauernde Wirkung während einer Migräneattacke wichtig.
Als besonders effektiv hat sich z.B. der Wirkstoff Rizatriptan (Handelsname MAXALT) herausgestellt. In einem Vergleich zu anderen Triptanen erwies sich Rizatriptan 10mg in Metaanalysen als hochwirksam bei der Erzielung von Schmerzfreiheit nach zwei Stunden. Weitere Studien zeigten dies auch beim Kriterium anhaltender Schmerzfreiheit (schmerzfrei innerhalb von 2 bis 24 Stunden).

Neben der klassischen (Film-)Tablette ist z.B. Rizatriptan auch in Form von Schmelztabletten erhältlich, die jederzeit und überall ohne Wasser eingenommen werden können. Im Zuge der Gesundheitsreform scheuen sich manche Ärzte Originalpräparate zu verschreiben. Das dies im Gesamten betrachtet falsch ist, zeigen sozioökonomische Untersuchungen. Demnach ist der Nutzen durch die Senkung der indirekten Krankheitskosten (Arbeitsunfähigkeit etc.) um ein Vielfaches höher als die Therapiekosten mit Triptanen. Migräne-Patienten kann mit diesen Medikamenten oft besonders gut geholfen werden. Dazu ist es allerdings wichtig, dass sie einen (Fach-)Arzt aufsuchen, der die Migränediagnose stellen und den Patienten entsprechend behandeln kann.
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